Die Treibhausgasbilanzierung (THG-Bilanzierung) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, um die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Klima zu bewerten und effiziente Minderungsstrategien zu entwickeln. Verschiedene Systeme wie REDcert, ISCC und das SURE-EU-System bieten unterschiedliche Ansätze zur THG-Bilanz. Dieser Fachartikel fokussiert sich auf das SURE-EU-System und untersucht seine Rolle, Vorteile und Unterschiede zu anderen Bilanzierungssystemen wie REDcert und ISCC.
Was ist das SURE-EU System?
Das SURE-System, oder SUSTAINABLE RESOURCES Verification Scheme, ist ein Zertifizierungssystem, das sowohl von der Europäischen Kommission als auch von den zuständigen nationalen Behörden in den einzelnen Mitgliedsstaaten anerkannt wird. Es bewertet die Nachhaltigkeit von Biomasse und biobasierten Produkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das SURE-System konzentriert sich auf eine zuverlässige und transparente THG-Bilanzierung und wurde entwickelt, um eine konsistente Methode zur Überwachung und Reduzierung von Treibhausgasemissionen in der EU bereitzustellen.
Es ermöglicht den Nachweis, dass die in der Erneuerbaren Energien Richtlinie der EU (RED II) festgelegten Nachhaltigkeitskriterien für die Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse erfüllt wurden. Als Instrument bestätigt SURE die besondere Bedeutung der Strom- und Wärmeerzeugung aus Biomasse als effektive Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel. Anders als REDcert umfasst das SURE-System jedoch nicht die Herstellung endgültiger Treibstoffe. Da SURE und REDcert einander anerkennen, kann ein Teil der Lieferkette nach REDcert und ein anderer Teil nach SURE zertifiziert werden, um die Nachweispflicht für die gesamte Lieferkette zu erfüllen.
SURE bietet einen klaren Rahmen für die Bewertung der Nachhaltigkeit und die Rückverfolgbarkeit von Produkten. Dies ist insbesondere in Lieferketten mit vielen Stakeholdern von Vorteil.
Das SURE-EU-System lässt sich flexibel an nationale und regionale Gegebenheiten anpassen, was zu einer breiteren Anwendbarkeit führt.
SURE ermöglicht einen systematischen Vergleich der THG-Bilanz zwischen verschiedenen Produkten oder Produktionsverfahren, was zu einer weiteren Optimierung führen kann.
Während REDcert sich primär auf biogene Treibstoffe fokussiert und ISCC ein breites Spektrum von Anwendungen abdeckt, bietet SURE eine spezialisierte Herangehensweise für die Biomasse- und Bioproduktindustrie.
ISCC ist sehr flexibel und global anwendbar, während REDcert sich eher auf den europäischen Markt konzentriert. SURE bietet hier einen Mittelweg durch seine anpassbare Struktur.
In Sachen Transparenz und Rückverfolgbarkeit kann SURE mit seinem stringenten Zertifizierungsprozess besonders punkten.
Das System verwendet eine Lebenszyklusanalyse (LCA) zur THG-Bilanzierung. Hierbei werden Emissionen von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Endnutzung berücksichtigt. Ein besonderes Merkmal ist die Einbindung einer „Hot-Spot-Analyse“, bei der spezielle Bereiche mit hohen Emissionen identifiziert und gesondert analysiert werden.
Das Vorgehen und Prozedere des SURE-EU-Systems sind komplex und mehrstufig, um eine umfassende und zuverlässige Treibhausgasbilanzierung (THG-Bilanz) sowie Nachhaltigkeitsbewertung sicherzustellen. Im Folgenden finden Sie eine zusammenfassende Darstellung des typischen Ablaufs:
Erste Schritte und Dokumentationsanforderungen
Lebenszyklusanalyse: Mit den gesammelten Daten wird eine Lebenszyklusanalyse durchgeführt, die sämtliche Emissionen vom Rohstoffabbau über die Produktion bis hin zur Entsorgung oder Endnutzung umfasst.
Hot-Spot-Analyse: Parallel dazu wird eine Hot-Spot-Analyse durchgeführt, um Bereiche innerhalb des Produktlebenszyklus zu identifizieren, die besonders hohe Emissionen verursachen.
Die THG-Bilanzierung spielt eine Schlüsselrolle im Rahmen der nachhaltigen Energiewirtschaft. Das SURE-EU-System stellt in diesem Kontext ein vielversprechendes Instrument dar, das sich durch Transparenz, Flexibilität und ein spezieller Fokus auf die Biomasse- und Bioproduktindustrie auszeichnet.
Das SURE-EU-System setzt somit auf eine ganzheitliche Herangehensweise, die sowohl die aktuellen Emissionen als auch Potenziale zur Emissionsreduktion umfasst. Durch das umfassende Vorgehen und Prozedere wird ein hohes Maß an Transparenz und Glaubwürdigkeit gewährleistet, was es zu einem wichtigen Instrument in der THG-Bilanzierung und im nachhaltigen Ressourcenmanagement macht.